DKG-Fachkräftemonitoring 2026: Rekordpersonal in den Kliniken – und trotzdem unbesetzte Stellen
Das DKG-Fachkräftemonitoring 2026 zeigt ein Paradox: Die Pflege wächst auf Rekordhöhe – aber zwei Drittel der Kliniken haben weiterhin unbesetzte Stellen.
Knapp 409.000 Vollzeitstellen im Pflegedienst – das ist eine Zahl, die Eindruck macht. Erstmals in der Geschichte des deutschen Krankenhauswesens hat der Pflegedienst die Marke von 400.000 Vollzeitäquivalenten überschritten. Das DKG-Fachkräftemonitoring 2026, das die Deutsche Krankenhausgesellschaft gemeinsam mit dem Deutschen Krankenhausinstitut veröffentlicht hat, dokumentiert diesen Zuwachs mit aller Deutlichkeit.
Und trotzdem klagt die Mehrheit der Kliniken weiterhin über unbesetzte Stellen. Was sich auf den ersten Blick wie ein Widerspruch liest, ist bei näherer Betrachtung die eigentliche Kernaussage des Monitorings: Wachstum allein reicht nicht, wenn der Bedarf noch schneller steigt als das Angebot.
Historisches Wachstum – und ein trügerisches Bild
In den vergangenen zehn Jahren ist der Pflegedienst an deutschen Krankenhäusern um rund 90.000 Vollzeitstellen gewachsen. Der Pflegedienst stellt damit inzwischen rund 40 Prozent aller Krankenhausbeschäftigten. Auch bei den Ausbildungszahlen gibt es gute Nachrichten: 2024 schlossen rund 37.000 Pflegekräfte ihre Ausbildung ab, 2025 begannen rund 64.300 Menschen eine Pflegeausbildung – ein Anstieg von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Diese Zahlen sind real, und sie verdienen Anerkennung. Mehr Menschen als je zuvor entscheiden sich für einen Pflegeberuf, mehr Ausbildungsplätze werden besetzt, der Berufsstand wächst. Doch genau hier beginnt die zweite Ebene des Monitorings – die, die den positiven Trend in einem anderen Licht erscheinen lässt.
66 Prozent der Kliniken haben Stellenbesetzungsprobleme
Trotz des Wachstums berichten 66 Prozent der befragten Krankenhäuser, dass sie Schwierigkeiten haben, offene Pflegestellen zu besetzen. Auf Allgemeinstationen bleiben laut Monitoring im Mittel rund 18 Pflegestellen unbesetzt. Das sind keine theoretischen Vakanzen in der Tabellenkalkulation – das sind Dienste, die mit Mehrbelastung für andere abgedeckt werden müssen, mit Springer-Einsätzen, mit kurzfristigen Lösungen, die strukturell nicht dauerhaft tragen.
Warum klafft diese Lücke, obwohl der Bestand auf Rekordniveau liegt? Der Grund ist eine Gleichzeitigkeit zweier gegenläufiger Prozesse: Der Aufwuchs durch Ausbildung und Zuwanderung kann den Abgang durch Berufsausstieg, Teilzeitwechsel und Alterung nur teilweise kompensieren. Wer in den 1960er- und frühen 1970er-Jahren als Krankenschwester oder Pfleger eingestiegen ist, nähert sich dem Renteneintritt – und das in großen Kohorten.
Der demografische Doppeleffekt
Die Prognose des Monitorings ist in dieser Hinsicht unmissverständlich: Bis 2035 werden rund 300.000 Beschäftigte altersbedingt aus dem deutschen Krankenhauswesen ausscheiden. Das ist nicht eine ferne Herausforderung – das sind weniger als zehn Jahre. Der Pflegedienst steht vor einem demografischen Doppeleffekt: Die Gesellschaft altert und braucht mehr Versorgung, während gleichzeitig ein erheblicher Teil der erfahrenen Fachkräfte den Beruf verlässt.
Dieser Doppeleffekt macht das aktuelle Wachstum bei den Ausbildungszahlen zwar bedeutsam, aber noch nicht ausreichend. Selbst wenn die positiven Ausbildungstrends sich fortsetzen, bleibt eine strukturelle Lücke, die mit den bisherigen Instrumenten allein nicht zu schließen ist.
Bürokratie als unterschätztes Hemmnis
Das Monitoring widmet sich auch einem Faktor, der in der öffentlichen Diskussion oft hinter dem reinen Zahlenfokus zurückbleibt: der Bürokratiebelastung. 96 Prozent der befragten Krankenhäuser geben an, dass die gesetzlichen Personalbemessungsinstrumente mit zu hohem Bürokratieaufwand verbunden sind. 89 Prozent halten die Instrumente für noch unausgereift.
Das ist kein Randproblem. Bürokratie bindet Zeit, die an der Versorgung fehlt. Wer als Pflegekraft Dokumentations- und Nachweisverpflichtungen erfüllen muss, die keinen direkten Beitrag zur Patientenversorgung leisten, erlebt das als Belastung – nicht als Unterstützung. Prof. Dr. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, formuliert es direkt: „Wer Gesundheitsversorgung für die Zukunft sichern möchte, kommt um konsequente Entbürokratisierung nicht herum."
Dass 69 Prozent der Kliniken den Nutzen einheitlicher Planungskriterien grundsätzlich anerkennen, zeigt: Es geht nicht um Ablehnung der Instrumente, sondern um ihre praktische Ausgestaltung. Die Realität lautet, dass derzeit weniger als die Hälfte der Kliniken den Instrumenten bescheinigt, die Personalausstattung tatsächlich zu sichern.
Was das für Pflegekräfte bedeutet
Für Pflegefachkräfte, die sich heute über ihre berufliche Zukunft Gedanken machen, zeichnet das Monitoring ein klares Bild: Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Pflegekräften ist hoch – und sie wird es bleiben. Wer seinen Beruf flexibel und mit wechselnden Einsatzmöglichkeiten ausüben möchte, findet in dieser Lage gute Rahmenbedingungen.
Gleichzeitig lohnt es sich, genau hinzuschauen, unter welchen Bedingungen man arbeitet. Flexible Einsatzmodelle wie die Arbeitnehmerüberlassung können eine attraktive Alternative zur festen Anstellung sein – dann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: verlässliche Vergütung, transparente Einsatzplanung, klare Ansprechpartner.
Was das für Einrichtungen bedeutet
Für Kliniken und Pflegeeinrichtungen signalisiert das Monitoring, dass die Konkurrenz um verfügbare Fachkräfte in den nächsten Jahren eher zu- als abnehmen wird. Einrichtungen, die Stellenbesetzungsprobleme mit kurzfristigen Lösungen überbrücken, sind gut beraten, dabei auf seriöse Partner zu setzen – solche, die Pflegekräfte fair vergüten und nicht als reine Kapazitätsgröße behandeln.
Flexible Einsatzmodelle als Teil der Lösung
doctevio vermittelt Pflegekräfte unbefristet und übertariflich an Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Kein Call-Center, sondern direkte Ansprechpartner, die sowohl die Einrichtung als auch die Pflegekraft kennen. Der Ansatz: nicht der lauteste Anbieter sein, sondern der verlässlichste – mit klaren Bedingungen, die für beide Seiten dauerhaft tragfähig sind.
Das DKG-Fachkräftemonitoring 2026 beschreibt ein System unter strukturellem Druck. Flexible Einsatzmodelle, die gut gemacht sind, können einen Teil dieses Drucks abfedern – für die Einrichtungen, die Versorgung sichern müssen, und für die Fachkräfte, die das ermöglichen.
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Quellen:
- Deutsche Krankenhausgesellschaft / Deutsches Krankenhausinstitut: Fachkräftemonitoring 2026 (Pressemitteilung, Juli 2026)
- DKG-Pressemitteilung: „Starker Personalzuwachs ist kein Grund zur Entwarnung beim Fachkräftemangel" (dkgev.de)
- Bibliomed Pflege: „Fachkräftemangel bleibt akut trotz Rekordzuwachs" (bibliomed-pflege.de)