Psychiatrie-Barometer 2025/2026: Wachsender Bedarf, schrumpfendes Personal
Essstörungen, Mediensucht, suizidale Krisen — der Bedarf in Kinder- und Jugendpsychiatrien wächst. Gleichzeitig plant fast ein Viertel der Einrichtungen Personalabbau.
Mehr Patienten, mehr Druck — die Zahlen sprechen für sich
Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat im Juli 2026 die Ergebnisse ihres Psychiatrie-Barometers 2025/2026 veröffentlicht. Für die Erhebung wurden zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 insgesamt 295 psychiatrische Einrichtungen befragt — Fachkrankenhäuser ebenso wie Abteilungspsychiatrien an Allgemeinkrankenhäusern.
Das Ergebnis für die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist eindeutig: In 52 Prozent der befragten Einrichtungen haben Essstörungen zugenommen. 44 Prozent berichten von mehr Fällen mit Internet- oder Medienabhängigkeit, 42 Prozent von häufigeren suizidalen Krisen und Angststörungen, 39 Prozent von steigenden Depressionsfällen (Quelle: Ärzteblatt, Juli 2026).
Die Wartezeiten spiegeln diese Entwicklung: In rund zwei Dritteln der kinder- und jugendpsychiatrischen Einrichtungen müssen Patienten acht Wochen oder länger auf einen voll- oder teilstationären Behandlungsplatz warten (Quelle: DKG, Juli 2026).
Wirtschaftlicher Druck als strukturelle Bremse
Gleichzeitig befindet sich ein Großteil der psychiatrischen Einrichtungen in einer angespannten wirtschaftlichen Lage. Nur etwa ein Viertel der befragten Kliniken bewertet die eigene Situation als „gut" bis „sehr gut". 50 Prozent der Abteilungspsychiatrien und 54 Prozent der Fachkrankenhäuser rechnen für 2026 mit einer weiteren Verschlechterung — während nur jede zehnte Abteilung und jedes zwanzigste Fachkrankenhaus eine Verbesserung erwartet.
Die Konsequenzen werden bereits sichtbar: 23 Prozent der Abteilungspsychiatrien und 16 Prozent der psychiatrischen Fachkrankenhäuser planen in den kommenden sechs Monaten Personalabbau. 26 Prozent der Abteilungspsychiatrien wollen Leistungen einschränken.
DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß fasste die Lage beim Erscheinen der Studie zusammen: „Das Psychiatrie-Barometer zeigt eine doppelte Herausforderung: In der Kinder- und Jugendpsychiatrie steigt der Bedarf" — während die wirtschaftliche Lage vieler Einrichtungen angespannt bleibt.
Fachkräftemangel trifft auf wachsenden Versorgungsbedarf
Der Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich. Rund die Hälfte der befragten psychiatrischen Einrichtungen gibt an, den eigenen Personalbedarf nicht vollständig decken zu können. Gleichzeitig berichtet die Studie, dass 71 Prozent der Häuser bereits akademisch qualifizierte Pflegekräfte beschäftigen — die Akademisierungsquote liegt allerdings erst bei 2,9 Prozent der Pflegestellen (Quelle: Ärzteblatt, Juli 2026).
Das bedeutet in der Praxis: Einrichtungen, die qualifiziertes Personal benötigen, stehen in einem Wettbewerb, den sie mit dauerhaften Festanstellungen allein kaum gewinnen können — zumal sich die wirtschaftliche Perspektive für viele Häuser weiter eintrübt.
Flexibilität als Antwort auf strukturelle Unsicherheit
Für Einrichtungen, die einerseits Versorgungssicherheit gewährleisten und andererseits wirtschaftlich verantwortlich handeln müssen, stellt sich eine konkrete Frage: Wie lassen sich Versorgungsspitzen — ausgelöst durch saisonale Schwankungen, Ausfälle im Stammpersonal oder plötzliche Bedarfsanstiege — abfedern, ohne langfristige Personalkosten zu binden, die die ohnehin angespannte Liquidität weiter belasten?
Zeitarbeit im Gesundheitswesen bietet in dieser Situation eine strukturelle Antwort. Nicht als Ersatz für eine tragfähige Stammbelegschaft, sondern als planbare Ergänzung: Einrichtungen können qualifiziertes Pflegepersonal kurzfristig einsetzen, ohne es dauerhaft in die eigene Personalplanung integrieren zu müssen. Das gibt Spielraum in einer Phase, in der viele Häuser keine verlässliche wirtschaftliche Prognose erstellen können.
Voraussetzung dafür ist, dass der Vermittlungsprozess tatsächlich funktioniert — also dass Einrichtungen nicht nur kurzfristig verfügbare, sondern auch fachlich geeignete Pflegekräfte erhalten, die in einer psychiatrischen Umgebung arbeiten können und wollen.
Was das für Pflegekräfte in der Psychiatrie bedeutet
Für Pflegekräfte, die in der Psychiatrie — und speziell in der Kinder- und Jugendpsychiatrie — arbeiten, ist die Situation vielschichtig. Einerseits wächst der Bedarf, was grundsätzlich Beschäftigungssicherheit bedeutet. Andererseits erhöhen steigende Fallzahlen, Wartezeiten und wirtschaftlicher Druck den Druck auf das bestehende Personal.
Flexibel arbeitende Pflegekräfte in der Psychiatrie stehen vor der Herausforderung, sich schnell in unterschiedliche Einrichtungskulturen und Stationsabläufe einzufügen. Wer das kann, ist in diesem Versorgungsbereich besonders gefragt — und sollte entsprechend faire Bedingungen einfordern dürfen.
Versorgungssicherheit braucht verlässliche Partner
Das DKG-Psychiatrie-Barometer 2025/2026 macht deutlich: Die Schere zwischen wachsendem Versorgungsbedarf und wirtschaftlicher Realität psychiatrischer Einrichtungen wird größer. Personalplanung, die ausschließlich auf Festanstellungen setzt, stößt in diesem Umfeld an Grenzen.
Bei doctevio begleiten wir Einrichtungen im Gesundheitswesen dabei, Personalengpässe planbar zu überbrücken — mit Pflegekräften, die unbefristet bei uns beschäftigt sind und übertariflich entlohnt werden. Das schafft für beide Seiten Verlässlichkeit: Einrichtungen erhalten qualifizierte Unterstützung ohne langfristige Bindung, Pflegekräfte arbeiten mit stabilen Rahmenbedingungen und klaren Ansprechpartnern. Gerade in einem Versorgungsbereich, der so unter Druck steht wie die Psychiatrie, macht das einen Unterschied.