Bundes-Klinik-Atlas: In Hamburg kommt eine Pflegekraft mit weniger Fällen aus als in Rheinland-Pfalz
Der Bundes-Klinik-Atlas macht erstmals bundesweit vergleichbar, wie viele Fälle rechnerisch auf eine Pflegekraft kommen – die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß.
Bundes-Klinik-Atlas: In Hamburg kommt eine Pflegekraft mit deutlich weniger Fällen aus als in Rheinland-Pfalz
Wie viele Patienten kommen rechnerisch auf eine Pflegekraft? Der Bundes-Klinik-Atlas liefert seit diesem Jahr erstmals eine Kennzahl, die genau das für jedes Bundesland und jedes einzelne Krankenhaus sichtbar macht – den sogenannten Pflegepersonalquotienten (PpQ). Die Unterschiede zwischen den Regionen sind erheblich, wie eine aktuelle Auswertung von news.de auf Basis der Atlas-Daten zeigt.
Was der Pflegepersonalquotient misst
Der PpQ beschreibt das Verhältnis von Pflegekräften zu Behandlungsfällen an einem Krankenhausstandort, wobei die Schwere der Fälle einbezogen wird. Ein PpQ von 50 bedeutet demnach, dass einer Pflegekraft rechnerisch 50 Fälle mit durchschnittlicher Pflegelast im Jahr gegenüberstanden. Je niedriger der Wert, desto weniger Fälle muss eine einzelne Pflegekraft im Schnitt versorgen – ein niedriger PpQ gilt daher als Indikator für eine bessere Personalausstattung.
Der Bundes-Klinik-Atlas macht diese Kennzahl erstmals bundesweit vergleichbar, sowohl auf Landesebene als auch für einzelne Häuser. Für Pflegekräfte, die einen neuen Einsatzort suchen, und für Kliniken, die ihre eigene Position einordnen wollen, entsteht damit eine Referenzgröße, die es in dieser Form bisher nicht gab.
Die Ländertabelle: Hamburg vorn, Rheinland-Pfalz hinten
Nach den Atlas-Daten liegt Hamburg mit einem PpQ von 43,26 bundesweit an der Spitze und gilt damit als Vorbild für gute Personalausstattung. Dahinter folgen Berlin (43,65) und Sachsen (46,11). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 49,17.
Am anderen Ende der Skala steht Rheinland-Pfalz mit einem PpQ von 53,1 – dem höchsten Wert im Ländervergleich, der laut der Auswertung „auf eine unzureichende Personaldecke hinweist“. Knapp davor liegen Thüringen (53,07) und Sachsen-Anhalt (52,3).
Die Spannweite zwischen dem besten und dem schlechtesten Landeswert beträgt damit fast zehn Punkte – bei einer Kennzahl, die unmittelbar die Arbeitsbelastung einzelner Pflegekräfte abbildet. In Hamburg kommen auf 476.801 Fälle 11.022 Pflegekräfte an 34 Krankenhäusern, in Rheinland-Pfalz stehen 805.571 Fällen 15.170 Pflegekräfte an 82 Häusern gegenüber.
Auch innerhalb der Länder gibt es große Unterschiede
Der Ländervergleich allein zeigt aber nur die halbe Wahrheit. Auf Ebene einzelner Kliniken schwanken die Werte noch deutlicher: Das Universitätsklinikum Tübingen erreicht bei 73.846 Fällen und 1.628 Pflegekräften einen PpQ von 38,79 – ein nach Angaben der Auswertung „weit überdurchschnittlicher“ Wert bei zugleich einer der höchsten Fallzahlen Deutschlands. Am anderen Ende der Skala findet sich die IBBZ Krankenhaus GmbH Klinik Schöneberg mit einem PpQ von 18,89, allerdings bei nur 974 Fällen und 12 Pflegekräften – ein Hinweis darauf, dass kleine, hochspezialisierte Häuser mit den Flächenkliniken nur bedingt vergleichbar sind.
Für Pflegekräfte heißt das: Der Landeswert gibt eine erste Orientierung, ersetzt aber nicht den Blick auf den konkreten Standort. Zwei Häuser im selben Bundesland können bei der tatsächlichen Arbeitsbelastung weit auseinanderliegen.
Warum die Zahl gerade jetzt Gewicht bekommt
Die Transparenz kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Fachkräftemangel in der Pflege ohnehin im Zentrum der gesundheitspolitischen Debatte steht. Das Statistische Bundesamt geht in seiner Prognose davon aus, dass bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte fehlen könnten. Vor diesem Hintergrund wird der PpQ zu mehr als einer statistischen Randnotiz: Er macht sichtbar, wo der Engpass heute schon spürbar ist – und wo Kliniken künftig unter Zugzwang geraten, wenn sie im Wettbewerb um Personal nicht ins Hintertreffen geraten wollen.
Für Häuser mit hohem PpQ bedeutet das doppelten Handlungsdruck: Sie müssen einerseits um Fachkräfte werben, andererseits kurzfristig Lücken schließen, ohne die Versorgungsqualität zu gefährden. Und für Pflegekräfte selbst wird die Kennzahl zu einer handfesten Entscheidungsgrundlage – neben Gehalt, Dienstplan und Teamklima rückt die tatsächliche Arbeitsbelastung am Einsatzort stärker in den Vordergrund als bisher.
Was das für Einrichtungen und Pflegekräfte bedeutet
Ein hoher Pflegepersonalquotient lässt sich nicht über Nacht senken – feste Neueinstellungen brauchen Zeit, gerade in Regionen, die ohnehin unter Fachkräftemangel leiden. Genau hier setzt Zeitarbeit als Ergänzung an: Sie überbrückt kurzfristige Engpässe, während Kliniken an einer nachhaltigen Personalstrategie arbeiten, und gibt Pflegekräften zugleich die Möglichkeit, gezielt Einsatzorte mit besserer Personaldecke zu wählen.
Genau das ist der Ansatz von doctevio: Pflegekräfte erhalten eine unbefristete Festanstellung mit übertariflicher Vergütung und werden bundesweit dort eingesetzt, wo sie gebraucht werden – planbar und mit klaren Ansprechpartnern. Einrichtungen wiederum bekommen mit flexiblem Zeitarbeitspersonal die Möglichkeit, akute Lücken zu schließen, ohne die eigene Personalplanung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Der Bundes-Klinik-Atlas liefert damit auch eine Grundlage, um Einsatzentscheidungen künftig fundierter zu treffen – für beide Seiten.