Übergabe nach Schema: Was die Einführung von SBAR am Uniklinikum Leipzig für Pflegekräfte bedeutet
Das Uniklinikum Leipzig führt das Übergabeschema (i)SBAR klinikweit ein. Was dahintersteckt und warum es gerade Pflegekräften in wechselnden Teams hilft.
Wer im Stationsalltag eine Patientin oder einen Patienten übernimmt, ist auf eine gute Übergabe angewiesen. Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) will diese Übergaben nicht mehr dem persönlichen Stil einzelner Beschäftigter überlassen: Seit August arbeitet ein erstes Department mit dem standardisierten Kommunikationsschema (i)SBAR, ab Oktober sollen alle übrigen Departments folgen. Für Pflegefachkräfte, die regelmäßig in neuen Teams arbeiten, ist das mehr als ein Detail der Stationsorganisation.
Was das UKL einführt
Nach Angaben des Klinikums, über die das Deutsche Ärzteblatt berichtet hat, führt das UKL ein standardisiertes Schema für Kommunikationsabläufe in der Krankenversorgung ein. Ziel ist es, Informationen bei der Patientenübergabe „klar, präzise, sicher und strukturiert“ zu übermitteln.
Der Zeitplan:
- Vorbereitung: rund zwei Jahre
- Start im August 2026: Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie
- Ab Oktober 2026: alle übrigen Departments des UKL
Danach soll am gesamten Universitätsklinikum nach dem (i)SBAR-Modell übergeben werden.
Was hinter (i)SBAR steckt
Das Schema gibt vor, in welcher Reihenfolge Informationen weitergegeben werden. Die Buchstaben stehen für:
- i – Identifikation: Die Gesprächspartner stellen sich zu Beginn einander vor, um leichter eine gemeinsame Kommunikationsebene zu finden.
- S – Situation: Was ist passiert?
- B – Background: Was ist die Vorgeschichte?
- A – Assessment: Worin liegt vermutlich das Problem?
- R – Recommendation: Was ist zu tun?
Der Vorteil liegt in der Verbindlichkeit: Alle Beteiligten wissen, welche Informationen sie erwarten können und in welcher Reihenfolge sie kommen. „Durch standardisierte, genau festgelegte Abläufe und Inhalte sichern wir eine präzise und strukturierte Kommunikation mit einem hohen Maß an Verbindlichkeit, was wesentlich zu einer höheren Sicherheit der Patientinnen und Patienten beiträgt“, sagt Tancred Lasch, geschäftsführender pflegerischer Departmentleiter am UKL.
Warum gerade die pflegerische Übergabe
Die Projektleitung benennt das Problem offen. „Gerade die pflegerische Übergabe erfolgt in vielen Fällen noch wenig strukturiert und inkonsistent“, sagt Frank Lützkendorf, Teamleiter auf der Internistischen Intensivstation und (i)SBAR-Projektleiter des Klinikums. Das könne direkte Auswirkungen auf die Patientensicherheit haben – als Ursache für Therapieversäumnisse, eine verzögerte oder falsche Behandlung oder eine fehlende Kontinuität in der Versorgung.
Wer im Schichtdienst arbeitet, kennt die Situation: Die Übergabe fällt je nach Kollegin oder Kollege ausführlich oder knapp aus, manche Informationen stecken nur in Randbemerkungen, andere fehlen ganz. Ein festes Schema ersetzt keine fachliche Einschätzung, sorgt aber dafür, dass Vorgeschichte, aktuelle Einschätzung und nächste Schritte nicht vom Zufall abhängen.
Mehr Schnittstellen durch die Krankenhausreform
Die Leipziger Initiative fällt in eine Zeit, in der Übergaben eher häufiger werden. Zum Welttag der Patientensicherheit am 17. September 2026 hat das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) in Berlin darauf hingewiesen, dass die Krankenhausreform zusätzliche Schnittstellen schafft. Die APS-Vorsitzende Heidemarie Haeske-Seeberg begrüßte zwar die Konzentration komplexer Leistungen, erwartet aber eine stärkere Gliederung in Versorgungsstufen und mehr gemeinsame Leistungserbringung verschiedener Einrichtungen entlang der Behandlungskette – etwa im Zusammenspiel mit sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen (süV).
„Das zieht nach sich, dass noch mehr Schnittstellen entstehen“, sagte Haeske-Seeberg. Bisher gebe es keine Vorgaben, wie die Abstimmung bei einer gemeinsamen Behandlung über mehrere Versorgungsebenen hinweg zu geschehen habe. Das APS fordert deshalb unter anderem:
- schriftlich festgelegte, gemeinsam abgestimmte und einrichtungsübergreifende Versorgungspfade,
- die Berücksichtigung der Abstimmung zwischen Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden und Therapeutinnen und Therapeuten – nicht nur der Finanzflüsse,
- gemeinsame Indikationskonferenzen, Audits, Peer Reviews und Fallanalysen.
Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft betonte zum Aktionstag die Bedeutung eines sicheren Informationstransfers: Relevante Behandlungsdaten aus dem ambulanten Bereich müssten nahtlos in das Krankenhausinformationssystem übernommen werden können, sagte die stellvertretende DKG-Präsidentin Henriette Neumeyer.
Die Übergabe auf Station ist die kleinste dieser Schnittstellen. Wo sie nach einem gemeinsamen Muster läuft, ist ein Baustein der Sicherheitsarchitektur bereits gelegt, die das APS für die gesamte Behandlungskette einfordert.
Was das für Pflegekräfte im Wechseleinsatz bedeutet
Besonders deutlich wird der Nutzen eines einheitlichen Schemas für Pflegefachkräfte, die nicht dauerhaft auf einer Station arbeiten: Springerinnen und Springer, Kolleginnen und Kollegen aus Pools oder Pflegekräfte in der Arbeitnehmerüberlassung. Sie müssen sich in kurzer Zeit in Abläufe einfinden, die das Stammteam über Jahre eingeübt hat.
Ein klinikweit gültiges Übergabeschema hilft dabei auf mehreren Ebenen:
- Orientierung: Die Struktur der Übergabe ist auf jeder Station gleich – egal, in welchem Department der Einsatz stattfindet.
- Vollständigkeit: Wer eine Übergabe nach festem Muster erhält, kann gezielt nachfragen, wenn ein Baustein fehlt.
- Rollenklarheit: Der Identifikationsschritt zu Beginn schafft einen Moment, in dem sich neue und bekannte Gesichter einander vorstellen.
- Absicherung: Eine klare Empfehlung am Ende („Was ist zu tun?“) reduziert Interpretationsspielraum – gerade dann, wenn man Team und Station noch nicht gut kennt.
Für Kliniken bedeutet das umgekehrt: Je strukturierter die Übergabe, desto schneller können auch externe oder neu eingesetzte Fachkräfte sicher mitarbeiten. Ein einheitliches Schema ist damit auch ein Werkzeug für Ausfallmanagement und Personalplanung.
Wo doctevio ins Bild kommt
Pflegefachkräfte, die über doctevio im Einsatz sind, arbeiten in unterschiedlichen Einrichtungen und Teams. Standardisierte Übergaben wie in Leipzig erleichtern diesen Wechsel – ebenso wie Verlässlichkeit auf Arbeitgeberseite. doctevio stellt Pflegekräfte unbefristet an, vergütet übertariflich und sorgt mit festen Ansprechpartnern und planbaren Einsätzen dafür, dass der Start in einem neuen Team gut vorbereitet ist. Dass immer mehr Kliniken ihre Übergaben verbindlich strukturieren, ist für alle Beteiligten eine gute Nachricht: für die Patientinnen und Patienten, für die Stammteams und für die Fachkräfte, die neu dazukommen.